Grossartige Bilder der Street Photography werden oft spontan geschossen. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort – mit dem richtigen Feingespür für den perfekten Moment. Ich habe euch einen anderen Tipp, der ebenfalls grossartige Bilder garantiert: Sprecht mit den Menschen – geht auf sie zu.

Text & Bilder: Markus Mallaun


 

Keine Frage; Street Photography lebt von der Spontanität und entsteht aus den Szenerien die euch der Alltag bietet. Ob nun direkt auf der Strasse, an einem Bahnhof, in einer Bar – die Welt ist gross. Street Photography heisst aber auch, dass man Menschen portraitieren kann.

Ich bin weniger der Fotograf, der Leute einfach so abschiesst. Ich bin viel mehr der Typ, der auf Menschen zugeht. Dies hat für mich mehrere Gründe. Vor allem finde ich es spannend, zu erfahren, wer denn diese Person überhaupt ist, die ich im Visier habe. Und es interessiert mich, der Mensch hinter der Person.

 

Street Photography © Mallaun Photography
Street Photography © Mallaun Photography

WER RECHT HAT, HAT RECHT

Praktischerweise erledigt sich für mich dadurch auch gleich die rechtliche Problematik, die vielen Street Fotografen gar nicht richtig bewusst ist. Da ich meine Bilder in nahezu 100% aller Fälle im Internet oder über einen Verlag veröffentliche, bin ich darauf angewiesen, dass ich auch das Einverständnis der abgebildeten Person habe. Für alle, die es interessiert: Es gab vor einiger Zeit einen Rechtsfall mit dem bekannten deutschen Street Fotografen Espen Eichhöfer, der sich dafür rechtfertigen musste, ein Bild ohne Erlaubnis veröffentlicht zu haben. Hier ein Beitrag dazu, aus der Berliner Zeitung. 

Ich weiss; Es gibt zahlreiche Fotografen, die sich einen Deut um diesen Aspekt kümmern und ich möchte hier auch nicht ein Fass für die dazugehörige Diskussion auftun. Schlussendlich muss jeder für sich selber entscheiden, was für ihn richtig ist und was nicht. Denn wie ich bereits im Titel geschrieben habe, möchte ich euch viel mehr dazu motivieren, einen Schritt auf die Menschen zuzugehen. Denn in den meisten Fällen lohnt es sich.

 

Street Photography © Mallaun Photography
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DER ICE BREAKER – ZEIGT EURE BILDER

Etwas, das ich auf meinen Reisen quer durch Indien gelernt habe, kann ich euch wärmstens ans Herz legen. Dieser Trick funktioniert auch auf dem Rest der Welt: Macht ein Ice Breaker-Bild, wie ich es nenne. Einfach einen ersten Schnappschuss knipsen und dieses Bild der fotografierten Person zeigen. In Ländern wo nicht täglich ein Fotograf oder eine Kamera zugegen ist, sorgt dies natürlich für eine schöne Interaktion und meistens für viel Gelächter. Und es bricht in den meisten Fällen das Eis. Ihr sorgt damit schon fast stillschweigen dafür, dass ihr danach weiterfotografieren könnt. 

 

Street Photography © Mallaun Photography
Street Photography © Mallaun Photography

SAMMELT ERLEBNISSE, NICHT NUR PIXEL

Es ist wohl nicht jedermanns Sache, auf einen wildfremden Menschen zuzugehen. Aber es ist weniger schwierig, als es sich anfühlt. Mit der Kamera in der Hand und einem Lächeln auf dem Gesicht habt ihr eine gute Ausrede und kommt dabei erst noch positiv rüber – alles viel einfacher, als die unbekannte Herzdame eurer Wahl in einer Bar anzuquatschen.

Und ist es nicht spannend, neue Geschichten zu erleben? Für mich ist das genau so interessant, wie das Fotografieren selber und ich finde es toll, wenn ich zum Bild auch noch eine Hintergrundinfo habe.

 

Street Photography © Mallaun Photography
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GESTERN HABE ICH DENIS GETROFFEN

Es war nur eine kurze Begegnung, die wir hatten. Mit seinem zahnlosen Lächeln stand er dort beim Engelibrunnen und beobachtete zufrieden die vorüberziehende Menschenmasse im Hauptbahnhof. Ab und zu nahm er einen Schluck aus seiner Colaflasche mit dem viel zu hellen Inhalt und zündete sich eine Parisienne an. Es war sein Outfit, das mich auf ihn aufmerksam machte. Der kleine Lemmy-Verschnitt von Motörhead interessierte mich.

 

Street Photography © Mallaun Photography
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Und so fragte ich ihn spontan, ob ich ihn denn fotografieren dürfe. Er willigte sofort ein. Ich machte zuerst ein simples Porträt von ihm, zeigte ihm mein Bild und rauchte eine Zigarette mit ihm. So kamen wir ins Gespräch und er erzählte mir einen kleinen Teil seiner Lebensgeschichte. Aber um die geht es an dieser Stelle gar nicht – die erzähle ich euch in einem weiteren Post. Dafür werde ich Denis aber nochmals besuchen und mich länger mit ihm unterhalten.

Ich hoffe, ich konnte euch etwas motivieren, bei eurem nächsten Street Projekt den inneren Schweinehund zu überwinden und auf die Menschen zuzugehen. Viel Spass beim Sammeln von Geschichten mit schönen Bildern.

Text & Bilder: Markus Mallaun

 

Street Photography © Mallaun Photography
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